Wiesbadenaktuell: Eine Chance für Wiesbaden: World Design Capital 2026 (2024)

Zukunftsgestaltung

Von Wiesbadenaktuell

Frankfurt RheinMain trägt den Titel World Design Capital 2026. Wie die Wirt-schaftsregion Wiesbaden die Möglichkeit nutzen kann, um sich in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Bereichen zu entwickeln, wurde bei einer Veranstaltung der IHK diskutiert.

09.05.2024 10:50

Frankfurt und das RheinMain-Gebiet wurden als World Design Capital 2026 (WDC) ausgewählt, eine Entscheidung, die auch für Wiesbaden aussichtsreiche Möglichkeiten verspricht. Die Industrie- und Handelskammer Wiesbaden (IHK) lud zu einer Eröffnungsveranstaltung unter dem Motto "Wiesbaden Deine Chance" ein, bei der etwa 60 Gäste die Potenziale dieser Ernennung erkundeten. Das Thema "Design for Democracy - Atmospheres for a better life" war ausschlaggebend für den Erfolg von Frankfurt RheinMain gegenüber dem Mitbewerber Riad (Saudi-Arabien), der das Nachsehen hatte.

Förderung von Design für eine bessere Zukunf

Die World Design Organization (WDO) vergibt alle zwei Jahre den Titel World Design Capital (WDC), um Städte für ihre Bemühungen zur Förderung von Design in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Bereichen zu würdigen. Durch ein einjähriges Veranstaltungsprogramm präsentiert die ausgezeichnete Stadt inspirierende Beispiele für faire, nachhaltige und innovative Designlösungen, die die Lebensqualität verbessern können.

Mit Weitblick an die Herausforderungen

Der aktivierende Appell der WDC-Kampagne "Gestalten wir, wie wir leben wollen“ ist als Einladung und Aufforderung nicht allein an Design und Architektur zu verstehen, richtet sich vielmehr an jeden Einzelnen der Stadtgesellschaft. „Wie gestalten wir unsere Lebens- und Wirtschaftsräume und damit auch unsere Gesellschaft“, brachte Jörg Brömer, neuer Präsident der IHK Wiesbaden, die komplexe Thematik, die es mit Leben zu füllen gilt, auf den Punkt. Brömer dankte dem „maßgeblichen Antreiber“ der Bewerbung, Professor Matthias Wagner (Direktor des Museums Angewandte Kunst, Frankfurt), der am IHK-Event nicht teilnehmen konnte, für dessen Initiative.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen“, unterstrich Brömer mit Verweis unter anderem auf die Transformation der Wirtschaft, auf Wohnungsmangel, den Klimaschutz, aber auch die Erschütterungen der Demokratie: „Politik und Wirtschaft müssen mehr denn je mit Weitblick die richtigen Entscheidungen treffen, um zukunftsfähig und resilient zu werden“, betonte der IHK-Präsident, der eine besondere Verantwortung auch bei der Architektur, der Stadtplanung und dem Design sieht. „Durch das, was wir planen, entwerfen und bauen, formen wir auch gesellschaftliche Strukturen, Entwicklungen und Abläufe“, so Brömer, der für eine stärkere Vernetzung und einen größeren Zusammenhalt in der Region plädierte.

Diskussionsrunde "Positionen, Perspektiven, Potenziale"

Stephan Fink führte souverän durch die Veranstaltung. Als Initiator des IHK-Ausschusses Kreative Wirtschaft und stellvertretender Leiter des Gremiums ist es sein Ziel, das Bewusstsein für den Titel WDC 2026 zu schärfen und Menschen dazu zu ermutigen, aktiv mitzuwirken. Bereits zu Beginn seiner Einführung unterstrich er die Bedeutung dieses Engagements: "Jetzt liegt es an uns, etwas daraus zu machen."
Darüber hinaus moderierte Fink eine Diskussionsrunde zum Thema "Positionen, Perspektiven, Potenziale", die mit einer vielfältigen Besetzung aufwartete.

Kai Rosenstein, in seiner Funktion als "Chief Experience Officer and Director Government Relations für World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026", führte mit einem Kurzvortrag in das Thema ein. Dabei skizzierte er unter anderem die zehn Handlungsfelder, in denen die Aufforderung "Mach mit" umgesetzt werden kann. Diese Felder umfassen Bereiche wie Bauen und Wohnen, Architektur, Bildung, Kultur, Medien, Gesundheit, Konsum und Mobilität, also Projekte in nahezu allen Lebensbereichen, die ab sofort für das WDC-Jahr 2026 eingereicht werden können.

Begeisterung wecken

Wiesbadens Bürgermeisterin und Wirtschaftsdezernentin Hinninger hofft auf eine öffentlichkeitswirksame Werbung für das World Design Capital 2026-Jahr, um viele Menschen fürs Mitmachen zu begeistern. „Wir wollen fairer, nachhaltiger und innovativer werden“, skizziert sie die Ziele der Stadt, die das etwa durch Bürgerbeteiligungen bei der Gestaltung des öffentlichen Raums erreichen möchte. Die Hoffnung: „Wenn alle mitgemacht und mitgestaltet haben, wird auch Verantwortung übernommen.“

Rolf Krämer (Referatsleiter Start-ups, Kultur- und Kreativwirtschaft im hessischen Wirtschaftsministerium) bedauert das „noch sehr diffuse Image“ der WDC 2026 und beklagt, dass der Weg von Frankfurt nach Wiesbaden als länger wahrgenommen werde als der von Frankfurt nach Berlin. Für das Jahr 2026 erwartet er allerdings „großartige Chancen“.

Booster für Wiesbaden

Dieter Brell (Designbüro 3deluxe) und Gerhard Schulz (Vorstand Kulturzentrum Schlachthof) sehen vor allem die Stadtgesellschaft gefordert: „Der Handlungsdruck wird größer, wir alle müssen Veränderungen herbeiführen“, meint Brell, und Schulz beschwört die Identität der Menschen in Wiesbaden und der Region, die es herzustellen respektive zu verändern gelte. „Wir müssen unsere Entscheidungsverfahren überdenken, müssen wegkommen von rein ökonomischen Kriterien.“

Ähnlich wie andere Gäste der Gesprächsrunde verspricht sich auch Kai Rosenstein (Rosenstein Designkultur, Darmstadt) von der Ernennung einen „Booster“ für viele neue, aber auch Projekte, die derzeit bereits am Entstehen seien. „Damit wird die Aufmerksamkeit auf Innovationen gelenkt“, unterstreicht er. Anhand der Bespiele der World Design Capital des Jahres 2012 und 2022, Helsinki und Valencia, machte er deutlich, dass die Strahlkraft der Ernennung durch die World Design Organization (WDO), die ihren Sitz in Montreal (Kanada) hat, anhaltend sei. So habe es beispielsweise in Valencia einen positiven return of investment gegeben, es seien zusätzliche Jobs geschaffen und der Markenwert gesteigert worden.

Die Projektfinanzierung

Das einjährige Projekt World Design Capital Frankfurt Rhein-Main 2026 soll insgesamt mit einem Budget von 21 Millionen Euro realisiert werden. Die Bewerbungsphase wurde bereits vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main mit über einer Million Euro unterstützt, während das Land Hessen sechs Millionen Euro und die Stadt Frankfurt weitere sechs Millionen Euro zugesagt hat. Die verbleibende Summe soll durch Beiträge der Kommunen und Kreise der Region aufgebracht werden, und es wird auch auf Sponsoren gesetzt, von denen man sich zusätzliche rund zweieinhalb Millionen Euro erhofft.

Kai Rosenstein betonte, dass trotz der finanziellen Unterstützung nur ein Teil der Projekte gefördert werden könne. Diese Entscheidung trifft eine interdisziplinäre Jury, die dem in Frankfurt ansässigen Organisationsbüro angehört. Damit wurden Fragen zur Finanzierbarkeit von Projekten, die auch von Bürgermeisterin Hinninger aufgeworfen wurden, beantwortet.

Jetzt mitmachen - Projekte einreichen

Der "Open Call 2024" ist nun offiziell gestartet. Ab sofort und auch im nächsten Jahr können Einzelne oder Teams ihre selbstentwickelten Projekte einreichen. Entwicklerinnen und Entwickler erhalten Unterstützung durch die Design for Democracy-Sprechstunden. Neben der finanziellen Förderung von Projekten, um vor allem jüngere Menschen unter dem Motto "Gestalten wir, wie wir leben wollen" zu ermutigen, betont Chief Experience Officer Rosenstein auch die Bedeutung der Unterstützung durch das Netzwerk. Das Organisationsteam hofft durch Networking Erfolge bei der Suche nach Veranstaltungsorten und Büros in den Städten der Region Frankfurt RheinMain zu erzielen. "Idealerweise möchten wir in allen Städten der Region Botschaften etablieren", erklärt er. Die genaue Realisierung dieses Wunsches bleibt jedoch vorerst ungewiss.

Resümee und Ausblick

Bürgermeisterin Hinninger betonte zu Beginn der Talk-Runde, dass sie und die anderen Teilnehmer der Veranstaltung sich von der World Design Capital 2026 Region Frankfurt RheinMain eine verbesserte Lebensqualität erhoffen und man noch ganz am Anfang stehe.Dieter Brell und Rolf Krämer sehen darin große Chancen für Wiesbaden und die umliegende Region.Für Gerhard Schulz, Vorstand des Schlachthofs, bedeutet der Projektzuschlag die Aufforderung, am eigenen Charakter zu arbeiten.

Die Graphic Recorderin Peggy Norbisrath aus Frankfurt dokumentierte die Veranstaltung kreativ auf einem großen Plakat, das zukünftig als Referenz dienen soll. Beim abschließenden Get-Together wurde deutlich, dass es in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis viele Ideen gibt, die den Anspruch von Design for Democracy erfüllen. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit zum Austausch, was das wichtige Netzwerken unterstreicht. Weitere Informationen finden Sie hier:

World Design Capital 2026

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Fotos: Daniel Baldus

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